Wie versprochen…

(Neu überarbeiteter Artikel aus meinem alten Blog vom 31. 7. 2017)

…möchte ich ein Tutorial mit Fotos zum Cobweb-Filzen posten.

Cobweb-Filz …

Ist ein Filzgewebe, welches nicht ganz durchgefilzt ist, es ist tw. noch durchscheinend bzw. mit gewünschten Löchern, Cobweb heißt ja übersetzt Spinnennetz.

Diese Art des Filzens ergibt, je nach Wollart, ein leichtes, weiches anschmiegsames Gewebe mit seidigem Griff, welches gut für Schals, Tücher oder andere hautnahe Kleidungsstücke geeignet ist.

Allerdings, dass muss schon gesagt werden, ist es ein empfindliches Gewebe, vor allem beim Waschen.

Die Pflege:

Cobwebfilz ist nicht für die Waschmaschine geeignet, auch nicht für den Wollwaschgang, er schrumpft sonst und wird fester, weil er ja nicht ganz durchgefilzt ist.

Am besten man füllt lauwarmes Wasser mit wenig Wollwaschmittel in ein ausreichend großes Becken – das Gewebe sollte locker darin schwimmen können. Dann kommt z. B. der Schal hinein, der wird vorsichtig unter Wasser gedrückt, nicht kneten, nicht reiben, er soll nur ruhig im Wasser schwimmen, Wolle reinigt sich von selber.

Nach ca. 15 Minuten, ohne fest auszudrücken, heraus nehmen und mind. 3 mal mit klarem Wasser spülen, das Wasser sollte immer die selbe Temperatur haben, wie das erste Wasser gehabt hat.

Ins letzte Spülwasser kommt ein bisschen Essig, der neutralisiert die Seife. Wieder vorsichtig nicht zu fest ausdrücken und in ein Handtuch rollen. Den Schal dann am besten liegend trocknen.

Aber jetzt genug mit der Theorie, hier das Tutorial:

Du brauchst:

  • ausreichend große Luftpolsterfolie
  • Schablone mit der gewünschten Größe + Schrumpfungsgrad
  • Seife
  • heißes Wasser
  • Ballbrause oder kleine Gießkanne, Sprühflasche oder Plastikflasche mit Loch im Deckel
  • großes Badetuch
  • Rollkern: Schwimmnudel, Bambusrollo, Rundholz
  • Kammzug in den gewünschten Farben (am liebsten nehme ich eine Wolle/Tencel Mischung)
  • Verzierungen: Seidenfasern, Seidengarn, Wolllocken, Wollgarn, …
  • und natürlich Geduld 

Als Schablone habe ich auch eine Luftpolsterfolie genommen und die Länge bzw. die Breite (ist wichtiger) mit einem Maskingtape festgelegt.

Nachdem der Tisch vorbereitet ist, bei warmen Temperaturen filze ich auf einen 2 m langen Tisch auf unserer Terrasse, fächerst du den Kammzug auf. D. h. der Kammzug wird vorsichtig in der Breite auseinander gezogen, bis er so breit wie deine Schablone ist. Die Wolllage sollte ganz dünn fast durchscheinend sein.

Leider habe ich den Kammzug, mit dem ich weiter arbeite, schon aufgefächert und vergessen zu fotografieren. Habe das mit einem anderen Kammzug nachgeholt.

Wenn du weniger Platz hast, dann ist es besser, wenn du bei langen Filzstücken abschnittsweise arbeitest. Geht auch gut, so muss ich in der kalten Jahreszeit filzen.
Danach legst du den Gitterstoff darüber und machst die Wolle mit handwarmen Seifenwasser nass, aber nicht zu nass. Hier gilt so viel als nötig und so wenig als möglich.

Die Wolle wird jetzt entlüftet, d. h. drücke und reibe ganz vorsichtig die Luft aus der Wolle hinaus damit sie flacher liegt und jede Faser durchfeuchtet ist.
Wenn das erledigt ist wird die Wolle, wenn du es willst, verziert. Ich habe in diesem Fall mit Seidengarn und Seidenfasern Muster auf die Wolle gelegt. Du kannst ganz konträre Farben nehmen oder so wie ich im Farbschema bleiben.

Gib bei schwer einfilzbaren Verzierungen einen Hauch Wolle darüber, die sollte fast unsichtbar sein.
Die Verzierungen auch mit Seifenwasser benetzen, den Gitterstoff wieder darauf geben und vorsichtig reiben. Arbeite auch da abschnittsweise und versuche überall denselben Druck und dieselbe Dauer anzuwenden.

Kriechen die ersten Fasern durch den Gitterstoff durch, dann zieh ihn vorsichtig ab. Halte dabei die Wolle auf der Unterlage fest und versuche sie dabei nicht zu sehr zu dehnen.

Kontrolliere wie gut die Wolle mit den Verzierungen verfilzt ist, in dem du ganz sanft daran zupfst. Du siehst es auch daran, dass sich die Seidenfasern zum Wellen anfangen weil sie nicht, so wie die Wollfasern, schrumpfen.

Werden die Verzierungen schon halbwegs von der Wolle festgehalten, dann kannst du anfangen das Filzstück ohne Gitterstoff zu reiben, am Anfang ganz zart mit wenig Druck und nur kleinen Bewegungen, später mit mehr Druck und mehr Bewegung. Oder du rollst den Filz mit Hilfe eines Rollkerns der Luftpolsterfolie und dem Badetuch.
Ab jetzt kannst du schon sehr warmes Seifenwasser verwenden. Verbrenn dir dabei bitte nicht die Finger.
Der Filz wird schön langsam löchrig bzw. sieht Gespinstartig aus. Du kannst den Filz auch werfen und knautschen, dann wird er immer fester und durch das Werfen werden die Löcher etwas größer. Der Filz wird dadurch immer kleiner und fester.

Wenn er, die für dich richtige Festigkeit und das richtige Aussehen erreicht hat, spül ihn mit klarem Wasser aus. Gib einen Schuss Essig ins letzte Spülwasser und lasse den Filz darin schwimmen.
Vor dem Trocknen ziehe den Filz vorsichtig in Form und trockne in liegend. Wenn der Filz trocken ist, kannst du ihn besticken, mit Perlen verzieren, usw.

Fertige Schals (ihr werdet sie wahrscheinlich von anderen Fotos erkennen):

Ich wünsche euch gutes Gelingen

Ein paar Gedanken

zum Umwelt- und Klimaschutz in meiner Filzwerkstatt.

Nachdem ich einen interessanten Blogbeitrag von Corinna Nitschmann über

“ Welterschöpfungstag im Filzstudio
Ist Filzen ökologisch und wenn ja, warum nicht?“ (vom 29.7.2019)

gelesen habe, hab ich mir einige Gedanken über meine Filzerei gemacht, wie umweltfreundlich bin ich beim Filzen und wo kann ich noch etwas einsparen?

Ich nehme sehr viele ausgediente Hilfsmittel, wie z. B. ein altes ausgedientes Insektenschutznetz,alte Vorhänge, ein altes Bambusrollo, alte Handtücher und Leintücher. Meine Luftpolsterfolie bekommen ich gebraucht von Freunden und Bekannten nach irgenwelchen Lieferungen, wieso sollte sie ungenutzt weggeschmissen werden.

Die Seife zum Filzen ist meistens ein Block aus zusammengepressten Seifenresten oder ungewollten Seifen und wenn es nicht anders geht nehme ich Kernseife oder Olivenölseife. Außerdem versuche ich mit so wenig Wasser als möglich zu filzen bzw. fange ich, wenn möglich, das Seifenwasser auf, seihe es über ein Haarsieb ab und verwende es noch einmal. Zum Aufwärmen benutze ich einen alten nicht mehr so schönen Wasserkocher (den wollte eine Bekannte wegschmeißen).

Für die Schablonen habe ich ein Art Gummimatte, welche ich bei einen Konkursaufkäufer günstig gekauft habe, diese Schablonen sind unzerstörbar. Ich habe damals eine ganze Rolle gekauft, da komme ich ewig aus. Außerdem verwende ich für kleinere Sachen die Schubladeneinlagen aus meiner alten Küche (die passen nicht mehr), die halten auch sehr lange.

Die Wolle, die ich verwende ist größtenteils österreichische Bergschafwolle, bzw. Wolle von umliegenden Schafbauern. Allerdings braucht man für gewisse Projekte auch feinere Wolle, dafür nehme ich aus Tierschutzgründen dann südamerikanische Merino bzw. wenn es nicht ganz fein sein muss, wenigstens Wolle aus dem EU-Raum.

Die Wollreste, übrig gebliebene Wollfuseln oder -abschnitte werden von mir in einem Kübel gesammelt und als Füllmaterial oder Kernwolle beim Nadelfilzen verwendet.

Momentan sehe ich keine Möglichkeit, wie ich noch umweltfreundlicher filzen könnte. Mit dem Hobby auf zu hören ist für mich keine Alternative, da sowohl das Filzen wie auch das Wollespinnen für mich Therapie und Ausgleich sind.

Aber vielleicht fällt euch etwas zu dem Thema ein und ihr habt neue Ideen um alles noch umweltfreundlicher zu gestalten.

Liebe Grüße